| Ernährung
und Medizin, Ausgabe 04/04 |
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Atkins: Das bessere Konzept? Drei Spiegeleier, kross gebratener Speck, dazu Kaffee mit Sahne – ohne Zucker. Frau S., 100 Kilo, bereitet ihr Frühstück zu. Am Mittag wird sie in der Kantine Koteletts essen oder Brathähnchen, ihren Lieblingspudding zum Nachtisch muss sie sich verkneifen. Frau S. macht die Atkins-Diät und hält sich streng an die Vorschriften. Im Gegensatz zu denjenigen, die mit kalorienreduzierter Mischkost abnehmen, greift sie bei Fett und Eiweiß nach Herzenslust zu und kontrolliert lediglich, wie viel Kohlenhydrate auf ihrem Teller landen. Verzichtet wird ein paar Wochen lang fast ganz auf Kohlenhydrate, nur zwei Miniportionen Blattsalat oder einige Oliven sind erlaubt. Anschließend halten Kohlenhydrate in 5-Gramm-Schritten Einzug in den Speiseplan. Diese Menge entspricht etwa einer halben Tasse Blumenkohl oder anderen stärkearmen Gemüsesorten. Tabu bleiben Reis, Nudeln und Kartoffeln, Brot und Mehlspeisen, Fruchtsäfte und Milch. Ketogenese gegen
lästige Fettpolster Mangels Kohlenhydraten nimmt das Acetyl-CoA nicht den Weg über den Zitronensäurezyklus (wo es normalerweise dem Stoffwechsel zum Opfer fällt) sondern erreicht die Leber, wo aus ihm mit Energie geladene Ketonkörper gebaut werden. Anstelle von Glucose versorgt sich der Organismus nun mit Ketonkörpern. Ein Teil verlässt den Körper über die Atmung und den Urin. Atkins im
Vergleich Der einen Hälfte der
Übergewichtigen verschrieb man eine
traditionelle Ernährungsberatung:
Ihnen wurde Bei denjenigen, die
Kohlenhydrate gemieden hatten, sank der Triglyceridspiegel um 20% – mit
der fettreduzierten
Kost lediglich um 4 %. Auch der Blutzucker der Übergewichtigen
erreichte mit
der Atkins-Diät wieder bessere Werte, zwar gering aber doch
signifikant im
Vergleich zu der Gruppe, die den herkömmlichen Empfehlungen
gefolgt war. Eine
zweite Studie aus den USA zeigte ähnliche Ergebnisse: Nach drei
und auch sechs
Monaten hatte die Atkins-Gruppe mehr Gewicht verloren als die
Vergleichsgruppe. Die Triglyceride sanken
unter der Eiweiß-Fett-Diät um 17%.
Bei denjenigen, die
Kalorien gezählt hatten, nur um 1%. Anders als in der o.g.
Philadelphia-Studie,
wo sich HDL, LDL und Gesamtcholesterin bei keiner der beiden Gruppen
verändert hatte,
stieg hier das HDL-Cholesterin um 11% unter der kohlenhydratarmen
Diät und um 2
% bei der anderen Gruppe. Es scheint so, als würde sich die Atkins-Diät im Alltag nur schwer durchhalten lassen: Ein Drittel bis die Hälfte der Teilnehmer in beiden Gruppen waren nach einigen Monaten ausgestiegen und hatten ihre alte Ernährungsweise wieder aufgenommen. Langfristig kann der Körper Schaden nehmen – da überwiegend säurebildende Lebensmittel verzehrt werden, drohen Nierensteine oder gar Gicht. Auch Knochenschwund als eine Nebenwirkung ist möglich. Außerdem können Vitamin- und Mineralstoffpräparate frisches Obst und Gemüse nicht ersetzen. Erklärungsversuche Viel Insulin wird ausgeschüttet, was bewirkt, dass Muskeln, Leber und eben Fettgewebe schnell sehr viel Glucose aufnehmen müssen und teilweise in Fett umwandeln. Und da Insulin unser wichtigstes Masthormon ist, sorgt es dafür, dass Depotfett lange an seinem Ort bleibt. Außerdem folgt einem schnellen Anstieg des Blutzuckers auch ein rasches Abfallen – Hunger meldet sich. Zwischen Glyx
und
South Beach Das Prinzip des
glykämischen Index ist umstritten, da
die Werte nur einzeln gemessen wurden und nicht die Vielfalt der
Nahrungsmittel
einer ganzen Mahlzeit berücksichtigen. Doch spricht auch nichts
gegen eine
GLYX-Diät, die mit magerem Fleisch, Fisch, viel Obst und
Gemüse zum Sattessen
all das liefert, was wir brauchen. Dr. Arthur Agatstons South Beach Diät (Knaur) kommt schon etwas rigider daher. Der amerikanische Kardiologe verordnete seinen Herzinfarkt-Patienten eine Kost, mit der sie ihre Blutfettwerte verbessern sollten. Der Nebeneffekt: Gewichtsreduktion. Hier sind Weißmehlprodukte, Kartoffeln und Reis verboten, Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte und Vollkorn nach einer Anfangsphase erlaubt. Anders als bei Atkins bleiben tierische Fette, ausgenommen das in fettem Fisch enthaltene Fischöl, tabu. Bei »guten« Pflanzenfetten wie Olivenöl und bei Nüssen darf der Abnehmwillige zugreifen. Die strikte Phase, in der Hülsenfrüchte, Obst und Vollkornbrot oder -nudeln nicht gegessen werden sollten, kommt der Atkins-Diät schon recht nahe. An der daran anschließenden gemäßigten Kost ist allerdings nichts auszusetzen: Viel Gemüse, Ballaststoffe, Vitamine, wertvolle pflanzliche Öle und Omega-3-Fettsäuren. Burger ohne
Brötchen In den USA setzt sich immer mehr der Trend zu »Low-Carb« durch – mittlerweile mit dramatischen Folgen für die Wirtschaft: Der Aktienkurs des größten Eierproduzenten stieg im vergangenen Jahr um das Achtfache, Donut-König Krispy Kreme der jährlich fast drei Milliarden Schmalzkringel verkauft, meldete Ende August drastische Einbrüche: 56 % Umsatzschwund in drei Monaten. Immer mehr »Low-Carb-Produkte« halten Einzug in die Supermarktregale und bei Burger King kam man seinen Hamburger mittlerweile auch ohne Brötchen bestellen.
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