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Wie
bei Muttern
Gesundes Pausenbrot und dann? Eine Studie zeigt: Obwohl
mehr als die Hälfte aller Mütter berufstätig ist, kümmern
sie sich maßgeblich um die Versorgung der Familie. Wie die Frauen
das managen und was sie von der Versorgung in Kita und Schule halten,
darüber berichtet Studienleiterin Uta Meier-Gräwe im Gespräch.
Frau Meier-Gräwe, Sie haben
anhand von Interviews verschiedene Ernährungsversorgungstypen bestimmt.
Es gibt die Einzelkämpferin, die Traditionalistin oder die„berufsorientierte
Netzwerkerin“. Wie kriegt die Netzwerkerin Beruf und Kinder unter
einen Hut?
Diese Mütter sind durchweg gut ausgebildet und haben meist Regelplätze
in der Kita, die aber für ihren Vollzeitjob nicht ausreichen. Sie
müssen um die Kita oder um die Schule herum Netzwerke knüpfen:
andere Mütter, Nachbarn, Haushaltshilfen und Tagesmütter.
Welche Lösung haben Sie für das Dilemma?
Für berufstätige Mütter, die mittags nicht zu Hause sind,
wäre schon viel gewonnen, wenn sie sich um das Thema gesundes Mittagessen
nicht mehr kümmern müssen – ob in der Kita oder in der
Schule.
Selbst machen die Netzwerkerinnen keine Mittagspause.
Diese Mütter betreiben einen unglaublichen Aufwand mit der gesunden
Ernährung ihrer Kinder – mitunter sogar zu übertrieben.
Ihnen selber aber ist ihre Arbeitszeit zu kostbar, um eine halbe Stunde
Mittagspause zu machen.
Die typischen PC-Picknickerinnen.
Wenn z.B. jeden Tag durch die Uni oder durchs Klinikum, oder wo die
Mütter sonst arbeiten, ein fliegender Händler mit gesunden
Sachen ginge, würde der viele Abnehmerinnen finden. Wenn ich nicht
Professorin wäre, würde ich so was aufziehen.
Die „familienorientierte Traditionalistin“ sagt: „Meine
Familie ist mir eben wichtiger und mein Mann verdient ja.“
Und mit dem Ehegattensplitting haut das natürlich auch prima hin.
Diese Mütter wollen beruflich einen Fuß in der Tür behalten.
Das sind häufig Gymnasiallehrerinnen, die von acht bis zwölf
in die Schule gehen. Die Männer machen im Gegenzug aber gar nichts
im Haushalt.
Schul- oder Kitaverpflegung wäre also nichts für sie?
Nein, sie kochen selbst und sind sehr strikt, was gesunde Ernährung
angeht. Von diesen Müttern hört man immer, dass das Essen
in der Schule nicht schmeckt. Sie privatisieren das Problem und nehmen
sich in ihren eigentlichen beruflichen Möglichkeiten zurück.
Wie meinen Sie das?
Dadurch, dass viele Lehrerinnen eine halbe Stelle haben, liegt der Nachmittag
in der Schule brach. Man könnte sich auch ganz andere gesellschaftliche
Lösungen vorstellen. Diese gut ausgebildeten Mütter kriegen
es hin, ihre Kinder gesund zu ernähren, aber schauen auf andere
Mütter herab, deren Kinder sich zu Hause die Dickmanns reinziehen
vorm Fernseher.
Diese „überlasteten Einzelkämpferinnen“ sind gezwungen,
sehr viel zu arbeiten.
Weil ihre Männer nicht genug verdienen. Häufig sind das Familien
mit Migrationshintergrund. Genauso wie die Kinder drehen sich die Männer
den ganzen Tag alles Mögliche rein: vom Metzger, von der Autobahnraststätte,
und abends gibt’s noch mal kasachische Pelmenis. Da kann man richtig
zugucken, wie alle aus dem Leim gehen.
Ihre Studie hat gezeigt, dass Männer mithelfen, wenn auch ihre
Frauen viel arbeiten.
Ja, dann unterstützen Männer ihre Frauen noch am ehesten.
Die Mütter haben aber die ganze Alltagsorganisation im Kopf, obwohl
sie nahezu gleich viel verdienen.
Und die Väter kommen meist spät nach Hause.
Eine Mutter meinte: ,Eigentlich bin ich zurzeit allein erziehend’.
Es gibt aber auch viele Frauen, die sehr verinnerlicht haben, dass sie
die Versorgerin der Familie sind. Wenn sie mal sagen würden: ,Jungs,
so geht das aber nicht’ und einen Plan aufstellen, würde
das auch den Kindern gut tun. Man muss sich nicht wundern, dass die
Söhne nicht helfen, wenn die Väter es auch nicht tun.
Sie haben auch die Männer befragt. Bekennen sie sich denn schuldig?
Die Väter wissen schon genau, dass ihre Frauen die Arbeit leisten,
das deckt sich im Wesentlichen mit den Angaben der Frauen.
Mit der Zeit ist auch der Anspruch der Frauen an sich selbst, eine
gute Mutter zu sein, größer geworden.
Gerade in Bezug auf gesunde Ernährung wollen die akademischen Netzwerkerinnen
und Traditionalistinnen alles richtig machen.
Und weil sie wissen, dass es Männer nicht so genau nehmen,
lassen die Frauen sie auch nicht so gerne ran an den Herd?
Ja, weil dann gibt’s erst mal ein anständiges Steak. Fleisch
essen übrigens alle Männer gern. Und da die Männer der
Akademikerinnen es zu Hause gar nicht oder nur selten bekommen, essen
sie in der Kantine Fleisch und ihre Frauen fragen nicht so genau nach
(lacht).
Sie gehören dem Kompetenzteam an, das die Familienministerin
zu familienbezogenen Leistungen berät. Das Elterngeld und gerade
die Vätermonate wurden ja sehr positiv aufgenommen.
Väter sind dann einfach mal alleine verantwortlich für die
Versorgung der Kinder. Und wenn sie wieder in den Job zurückkommen,
werden sie auch anders ticken als vorher. Man kann nur hoffen, dass
die Vätermonate weiter ausgebaut werden.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft von Seiten der Politik?
Ich hoffe, dass diese Gesellschaft bald begreift, wie wichtig der Ausbau
der Mittagsverpflegung für Kinder auf hohem Niveau ist. Ich ärgere
mich, dass solche Themen im aktuellen Konjunkturprogramm gänzlich
fehlen. Gerade jetzt könnte man doch den Betreuungsschlüssel
ändern oder anständig Geld in die Hand nehmen und die Frauenberufe
im Umfeld der Schulverpflegung aufwerten. Diese Berufe kann man nicht
nach Indien outsourcen.
Das Gespräch führte Anja Fleischhauer
Versorgungstypen:
Die entspannten Unkonventionellen sind hochqualifiziert
und haben Kinder im Teenageralter, denen sie früh beigebracht haben,
sich vernünftig zu ernähren. Die Mütter können sicher
sein, dass in ihrer Abwesenheit keine Junkfoodparty steigt. Das warme
Abendessen ist die einzige Familienmahlzeit und wird regelrecht zelebriert.
Die familienorientierten Traditionalistinnen sind die
Ernährungsministerinnen ihrer Familie, kochen täglich ein
ausgewogenes Mittagessen und stehen der Schul- oder Kitaverpflegung
skeptisch gegenüber. Die Mütter sind super organisiert, nutzen
z.B. Zeitschaltuhren am Backofen, damit es mittags schnell geht. Ihren
Job ordnen sie dem Familienalltag eindeutig unter.
Die ambivalenten Ess-Individualistinnen haben flexible
Arbeitszeiten, und trotzdem sitzt die Familie selten gemeinsam an einem
Tisch. Hinter dem Motto „Jeder isst bei uns, wenn er Hunger hat“,
stecken häufig Gewichtsprobleme der Mütter. Ein Mittagessen
in Kindergarten und Schule würden die Frauen in Anspruch nehmen.
Die berufsorientierten Netzwerkerinnen sind sehr gut
ausgebildet. Dass ihre Kinder ein gesundes Mittagessen bekommen, liegt
diesen Müttern am Herzen. Da sie von den Kochkünsten ihrer
Aupairs oder Tagesmütter nicht überzeugt sind, kochen sie
trotz Vollzeitjob abends, um Defizite vom Mittagessen auszugleichen.
Die pragmatischen Selbständigen sind gut ausgebildet
und haben sich mit Geburt des ersten Kindes selbständig gemacht.
Dank der Oma für den beruflichen Notfall, nehmen sie alle drei
Mahlzeiten zusammen mit den Kindern ein. Die Mütter kochen zwar
mittags, die Kinder müssen aber abräumen oder einkaufen.
Die überlasteten Einzelkämpferinnen arbeiten
Vollzeit, oft im Schichtdienst. Häufig haben sie einen Migrationshintergrund
und kaum Verwandte, die sie unterstützen. Sie identifizieren sich
mit ihrer Rolle als Versorgerin. Häufiger als in anderen Familien
gibt es Süßspeisen, Kuchen, üppige Fleisch- und Fischgerichte.
Es soll schmecken und satt machen
Die aufopferungsvollen Versorgerinnen besitzen keine
oder nur geringe Berufsqualifikationen, arbeiten Teilzeit oder haben
einen 400-Euro-Job. Die Mütter leben für die Familie. Väter
und erwachsene Söhne erhalten eine Rundumverpflegung, doch die
Frauen haben ihr Ideal, alle im Hotel Mama an einen Tisch zu locken,
aufgegeben.
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